Sven Kroner: Winterlong
13. Dezember 2008 – 10. Januar 2009
Eröffnung: Freitag, 12.12. 19 -22 Uhr

Sven Kroner malt weitläufige Landschaften, in denen es sich hervorragend lustwandeln lässt – Bergpanoramen, Waldseen, Schnee- und Eislandschaften, Felder und Dörfer. Die freizügig fließende Acrylfarbe ist mit schnellen, souveränen Pinselstrichen und selbstverständlicher Virtuosität auf großformatige Leinwände aufgetragen. Ganz sicher scheinen in Kroners Landschaftspanoramen die Wolkenhimmel eines Jacob van Ruisdael und die Horizonte eines Frans Post durch, während sich seine Rückenansichten mit kontemplativem Meerblick ihrer Referenz zur deutschen Romantik ebenso bewusst sind. Fast reflexhaft spannt man den Bogen zur neuen deutschen figurativen Malerei mit ihren neuromantischen Tendenzen – auf jeden Fall zu Peter Doig. Es scheint, als lasse sich mit Sven Kroner ganz vortrefflich Stadtflucht betreiben und durch die Kunstgeschichte flanieren…
Mit einem geschärften Panoramablick stellt man fest, dass Kroners Tableaus weitaus mehr mit unserem eigenen Alltag zu tun haben als mit kontemplativen Mönchen am Meer.
Sie zeigen Badende am Baggersee, Skifahrer in den Alpen, Sonntagsausflügler auf vereisten Waldseen, und Schneemannbauende Kinder im Vorgarten. Tatsächlich dient die Landschaft als Kulisse für das ganz alltägliche Freizeitverhalten mitteleuropäischer Durchschnittsbürger.
Kroner malt die Spuren, die die menschliche Zivilisation in der Natur hinterlässt, indem sie sie ganz selbstverständlich bewohnt, verbraucht oder einfach nur genießt. Holzhütten am Wegesrand, ein Autowrack im Gebüsch, geschnitzte Botschaften im Baumstamm, Schneemänner, Fußspuren, Autobahnen, Sturmschäden und Schneelawinen. Landschaft erscheint hier zeitgemäß, bevölkert von einer recht sorglosen Verbrauchergesellschaft, die walked, campt, chillt oder grillt.
Der Künstler setzt verschiedene Perspektiven, Nah- und Aufsichten kombiniert mit einer gekonnten Lichtinszenierung so zusammen, dass sie vertraut wirken. Dabei eignen sich absurderweise gerade die Phänomene der Natur am besten für die Lügen der Malerei. Pastose weiße Acrylberge werden zu schmelzendem Schnee und auch in Wasserspiegelungen und Abenddämmerungen lässt es sich gut täuschen. Es ist kein Wunder, dass bei Kroner auch jene Kornkreise auftauchen, die für weltweite Spekulationen gesorgt haben, als hätten Polkes höhere Wesen erneut ihre Spuren hinterlassen.
Im Allgäu aufgewachsen, favorisiert Sven Kroner die Bergkulisse der eigenen Kindheit als Inspirationsquelle und immer wieder nimmt er Fotos einst aufgesuchter Orte zur Vorlage.
Seine Landschaften dienen ihm also auch als Projektionsfläche für die eigenen Alltagssehnsüchte, die nostalgische Rückschau eines Familienvaters auf die eigene Jugend, in der man(n) auf Bierkästen sitzend im Wald oder am Lagerfeuer zusammen saß. Daneben treten gleichberechtigt die Bilder der Gegenwart, die von spielenden Kindern im Vorgarten und Griechenlandurlauben im Sonnenuntergang berichten. Alte Bilder nimmt sich Kroner Jahre später wieder neu vor und macht damit die eigene Kunstproduktion zum Teil seiner Geschichte. Mit einer Ironie, die jugendlicher Rebellion genauso fern ist wie altväterlichem Zynismus, macht sich der Künstler damit zum Zeitzeugen einer Generation, die sich mit einem reflektierenden Augenzwinkern über die eigene Biederkeit lustig macht.

Carla Orthen.